8. Juni 2026
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    Dichte zu reduzierten Kosten

    Ein altes Industriegleis führt von der Flurstrasse über die Hohlstrasse und den neuen Rosa Luxemburg-Platz unter dem Hochhaus. Anschliessend durchquert es die Siedlung und den Hofraum und mündet dann ins Gleisfeld des Bahnhofs. Foto: Manuel Pestalozzi
    Ein altes Industriegleis führt von der Flurstrasse über die Hohlstrasse und den neuen Rosa Luxemburg-Platz unter dem Hochhaus. Anschliessend durchquert es die Siedlung und den Hofraum und mündet dann ins Gleisfeld des Bahnhofs. Foto: Manuel Pestalozzi

    Das gemeinnützige Wohnen steht hoch in der Agenda der Stadt Zürich. Die ab Herbst 2025 bezogene Wohnsiedlung Letzi bietet das sozusagen im Multipack. Sie kombiniert räumliche Dichte mit einem grosszügigen Aussenraumkonzept, welches die Siedlung ins Quartier einbindet. Die Stadt Zürich hat Fachjournalisten zu einer Besichtigung eingeladen.  Text: Manuel Pestalozzi

    Letzi ist eine Ableitung vom althochdeutschen und mittelhochdeutschen Verb letzen, was soviel heisst wie hemmen, aufhalten, hindern. In Zürich taucht dieser Begriff in den Namen verschiedener Areale, Bauwerke, Strassen und Haltestellen des öV auf. Er erinnert an eine spätmittelalterliche Verteidigungsanlage, die sich westlich der historischen Stadt quer durchs Limmattal zog. Am häufigsten findet sich das Wort südlich des Gleisfelds zwischen dem Hauptbahnhof und dem Vorortsbahnhof Altstetten. Verwendet wird er auch für die drei neuen Wohnsiedlungen zwischen dem Gleisfeld und der Hohlstrasse, die parallel zu ihm verläuft. Der ebene Geländestreifen diente lange den SBB, unter anderem für seine Werkstätten. Die Wohnsiedlung Letzi füllt die Lücke zwischen den früher erstellten Nachbarprojekten, die im Auftrag der SBB entstanden. Die Stadt kaufte das mittlere Grundstück den Bundesbahnen ab, mit dem Ziel, gemeinnützigen Wohnraum zu schaffen. Entwickelt und umgesetzt wurde das Projekt von der Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW), der Stiftung Familienwohnungen (SFW) und Liegenschaften Stadt Zürich (LSZ). Sie vertreten unterschiedliche Gruppen, welche Anspruch auf gemeinnützige Wohnungen haben. Die gemeinsame Entwicklung eines Projekts gilt als Pioniertat und verspricht eine gute Durchmischung der Siedlung.

    Altes Industriegleis wird noch genutzt
    Im Jahr 2016 schrieb die Stadt einen Architekturwettbewerb aus, den Gutschoep Architekten und Neuland ArchitekturLandschaft, beide aus Zürich, für sich entschieden. Der Entwurf besteht aus einem rund 222 Meter langen, mäandernden Baukörper. Den Auftakt bildet im Osten ein 24-geschossiges Hochhaus mit den 131 Alterswohnungen am Gleisfeld. Der anschliessende achtgeschossige Baukörper nimmt Gewerberäume im Sockelbereich und darüber 134 Wohnungen auf. Er fasst zuerst den Rosa Luxemburg-Platz an der Hohlstrasse ein, anschliessend einen ausgedehnten Hofraum, der nach Norden, in Richtung Bahn und die Hügelkette des Hönggerbergs, orientiert ist. Den «Schwanz» bildet ein Wohntrakt mit einem Doppelkindergarten im Erdgeschoss, der den westlichen Teil des Hofraums nutzt. Zwischen dem Platz und dem Hof besteht eine grosse Durchfahrt. Durch sie verläuft ein altes Industriegleis, welches das Gleisfeld bis heute mit den Werkstätten der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) verbindet und sporadisch genutzt wird. Das Gleis führt bei der Wohnsiedlung durch eine Parklandschaft mit unterschiedlichen Sickerflächen, auf der nun zwischen noch jungen Bäumen am Boden und in Pflanztrögen eine erste Ansaat spriesst. An die Durchfahrt wurde einer der beiden Gemeinschaftsräume der Überbauung platziert.

    Eine breite Durchfahrt verbindet den Platz an der Hohlstrasse mit dem Hof am Gleisfeld, an dem eine dereinst durchgehende «Uferpromenade» für Velos entlangführt. Foto: Manuel Pestalozzi
    Eine breite Durchfahrt verbindet den Platz an der Hohlstrasse mit dem Hof am Gleisfeld, an dem eine dereinst durchgehende «Uferpromenade» für Velos entlangführt. Foto: Manuel Pestalozzi

    Eng gesteckter Kostenrahmen notwendig
    Die Architekten Daniel Gut und Philipp Bollier von Gutschoep Architekten erzählten während der Führung von ihrem Umgang mit dem engen Kostenrahmen, der auch zu architektonischen Anpassungen führte. So wurde beispielsweise eine erst angedachte Klinkerfassade mit Betonfertigelementen ausgeführt. Diese bilden ein plastisches Raster, in dem grün gestrichene Fensterrahmen einen dezenten Farbakzent setzen. Die Raumoberflächen im Innern wurden auf einfache, aber robuste und sinnliche Materialien reduziert. Auch Viereinhalbzimmer-Wohnungen für kinderreiche Familien erhielten nur ein Badezimmer. Der Kostenrahmen und die Anforderungen des Bundesgesetzes über die Förderung von preisgünstigem Wohnraum (WFG) liess sich einhalten. «Spardruck erzeugt Stolz», lautete dazu das Fazit von Architekt Bollier. Es gelang dem Entwurfsteam auch, die strengen Vorgaben bezüglich Lärmbelastung an diesem anspruchsvollen Standort zu erfüllen.

    Die Zusammenarbeit mit drei verschiedenen Bauherrschaften bezeichneten die Beteiligten als eine Herausforderung. Eine grundsätzlich vom Planungsteam angestrebte Durchmischung der verschiedenen Gruppen von Nutzern liess sich leider nicht durchführen, auch aus Kostengründen. Die Wohnungen sind eng geschnitten, bieten aber eine räumliche Vielfalt. Dies bestätigte nach dem Studium der Pläne auch ein Rundgang. Zwei Mietparteien gewährten den Presseleuten einen Einblick. In beiden Wohnungen ermöglich ein zentral angeordneter Sanitärblock einen Umlauf, was trotz recht kleiner Fläche für Abwechslung und eine gewisse Weitläufigkeit sorgt. Bei einer Station auf der Besuchstour wurde klar, dass nicht alle die Rohbetondecken schätzen und beherzt einen «Mieterausbau» in Angriff nehmen. Erwähnenswert ist auch die Aussicht, vor allem jene in den Hof, der sich auf das Gleisfeld ausdehnt. Auch ein Highlight der Siedlung wurde den Besuchern nicht vorenthalten: Die gemeinsame Waschküche im obersten Geschoss des Hochhauses, die als Treffpunkt ausgestattet ist und wie die Wohnungen über einen loggiaartigen Balkon verfügt.

    Nach dem Rundgang lässt sich sagen, dass das Projekt die Qualitäten des Standorts gut nutzt und gleichzeitig optimiert. Die Architektur bringt die Pragmatik, welche das Programm und der Kostenrahmen forderten, mit Flair zum Ausdruck. Sie gibt jeder der in der Grossform vereinten Hauspartie eine eigene Adresse. Die Wohnsiedlung hat das Potenzial gut und mit Würde zu altern. Wenn ihr alle Sorge tragen.