
Die Dammerhöhung des Kraftwerks Göschenen ist eines der 16 auf nationaler Ebene priorisierten Wasserkraftprojekte. Das dadurch gewonnene Speichervolumen ermöglicht die Verschiebung eines ansehnlichen Teils der Sommerproduktion in die Wintermonate und hilft damit, die Versorgungssicherheit zu verbessern. Mit einem Vorprojekt klärte die Kraftwerk Göschenen AG (KWG) in den letzten Monaten die technischen, ökologischen, rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Aspekte einer Dammerhöhung um 15 Meter vertieft ab. Nach diesen Abklärungen stehen die Ampeln für das Projekt weiterhin auf grün. Deshalb hat der Verwaltungsrat beschlossen, die konkrete Bauprojektierung anzugehen. Das Projekt startet damit als eines der ersten Wasserkraftprojekte von nationalem Interesse in diese Phase.
Anfang 2024 startete die vertiefte Prüfung der Dammerhöhung um 15 Meter unter der Führung von CKW in Zusammenarbeit mit Experten von SBB, Axpo sowie externen Dienstleistern. «Die durchgeführten Abklärungen zur technischen Umsetzbarkeit, ökologischen Verträglichkeit sowie zur Wirtschaftlichkeit inklusive Restwertvereinbarung zeigten keine Punkte auf, die das Projekt grundsätzlich verunmöglichen. Wir freuen uns, jetzt den nächsten Planungsschritt in diesem national wichtigen Projekt zu starten», sagt Angela Krainer, Präsidentin des Verwaltungsrates der KWG AG.
Die Ausarbeitung des Bauprojekts dauert voraussichtlich bis Frühling 2027. Anschliessend wird das Projekt öffentlich aufgelegt. Ein möglicher Investitionsentscheid mit nachfolgendem Baustart ist frühestens 2029 zu erwarten.
Technisch realisierbar
Verschiedene vorgenommene technische Abklärungen und Variantenstudien zeigen, dass der bestehende Staudamm um 15 Meter erhöht werden kann. Die notwendigen Sicherheitsaspekte wie beispielsweise Hochwassersicherheit und die Erdbebensicherheit sind auch mit einer Erhöhung gewährleistet. Auch bzgl. Wasserzuleitungen aus den Gebieten Voralp und Tiefenbach sowie den Triebwasserwegen zu den Turbinen wurden keine unüberwindbaren Hindernisse erkannt.
Restwertvereinbarung zwingend
Die Konzessionen zur Nutzung der Wasserkräfte der Göscheneralp-, Voralp- und Furkareuss sowie des Lochbachs, welche die CKW und die SBB in die KWG eingebracht haben, laufen im Jahre 2043 aus. Aufgrund der kurzen verbleibenden Restnutzungsdauer eines um 15 Meter erhöhten Stausees ist für die KWG die Wirtschaftlichkeit dieser Jahrhundert-Investition ohne eine Restwertvereinbarung nicht gegeben. Mit einer Restwertvereinbarung sichert die KWG den nicht amortisierbaren Restwert ihrer Investition in eine Dammerhöhung am Konzessionsende ab. Mit den konzessionserteilenden Institutionen (Kanton Uri, Korporationen Uri und Urseren) konnte eine Restwertvereinbarung erarbeitet werden. Diese wird in einem nächsten Schritt zusammen mit der erforderlichen Zusatzkonzession den zuständigen Gremien zur Genehmigung vorgelegt. «Wir freuen uns über die erzielte Einigung sowie die weitere partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Kanton Uri und den beiden Korporationen», sagt Angela Krainer. Parallel zu diesem Genehmigungsprozess treibt die KWG das Projekt weiter voran.
Ökologische Ersatzmassnahmen umsetzbar
Im Zusammenhang mit den vertieften Abklärungen zu den gesetzlich geforderten Ersatz-und Ausgleichsmassnahmen trat das Projektteam in einen Dialog mit den Umweltschutzorganisationen. In vielen Punkten ist man sich einig und die Umweltschutzverbände tragen eine Dammerhöhung um 15 Meter mit. Noch nicht abschliessend geregelt werden konnten die weitergehenden Ausgleichsmassnahmen, welche die 16 priorisierten nationalen Ausbauprojekte Wasserkraft zusätzlich erbringen müssen. Die KWG ist jedoch zuversichtlich, dass für die noch bestehenden offenen Fragen ebenfalls gute Lösungen gefunden werden können.
Eckpunkte der Dammerhöhung
Mit der Dammerhöhung kann das Kraftwerk nur geringfügig mehr Energie produzieren. Die Stromproduktion kann aber dank des rund 28 Prozent grösseren Speichervolumens des Stausees verstärkt vom Sommer- ins Winterhalbjahr verschoben werden. In der gesamten Reusskaskade (Kraftwerke Göschenen, Wassen und Amsteg) ist mit einer Verschiebung der Stromproduktion von rund 60 GWh zu rechnen. Das entspricht der Jahresstrommenge von etwa 13‘500 Vierpersonen-Haushalten mit einem Stromverbrauch von 4‘500 kWh pro Jahr. Oder: Es könnten damit ein Jahr lang 110 Züge pro Tag von Altdorf nach Locarno und zurück fahren.
Kraftwerk Göschenen AG
Die Kraftwerk Göschenen AG mit Sitz in Göschenen wurde am 16. Februar 1955 gegründet. Am Kraftwerk beteiligt sind der Kanton Uri (10 Prozent), die SBB AG (40 Prozent) und die CKW AG (50 Prozent). Die mittlere jährliche Energieproduktion der Kraftwerk Göschenen AG liegt bei rund 420 Mio. kWh. Die Geschäftsführung liegt bei der CKW. www.kw-goeschenen.ch





