«Wohnraumlüftung wird zur Schlüsseltechnologie beim Lärmschutz»

Interview mit Thomas Klink, Produktmanager Wohnraumlüftung der Zehnder Group Schweiz AG.

Thomas Klink (49), Produktmanager Wohnraumlüftung der Zehnder Group Schweiz AG, sieht aufgrund der neuen Lärmschutzverordnung in der Schweiz ein enormes zusätzliches Absatzpotential für die Lüftungsbranche. Foto: Zehnder Group Schweiz AG, Gränichen
Thomas Klink (49), Produktmanager Wohnraumlüftung der Zehnder Group Schweiz AG, sieht aufgrund der neuen Lärmschutzverordnung in der Schweiz ein enormes zusätzliches Absatzpotential für die Lüftungsbranche. Foto: Zehnder Group Schweiz AG, Gränichen

Am 01. April 2026 ist in der Schweiz die vom Bundesrat beschlossene, revidierte Lärmschutz-Verordnung in Kraft getreten. Warum ist diese bautechnische Neuausrichtung auch für die Schweizer Lüftungsindustrie von grosser Bedeutung?
Thomas Klink: Weil dieser Gesetzesbeschluss ein klares Bekenntnis zu modernen, nachhaltigen und gesundheitsorientierten Wohnkonzepten darstellt. Und weil diese Regelung zum ersten Mal echte Rechtssicherheit schafft, die Gemeinden, Planungsbehörden, Bauherren und Architekten seit Langem benötigen. In vielen urbanen Gebieten stehen wachsende Lärmemissionen dem dringenden Bedarf an zusätzlichem Wohnraum gegenüber. Die Revision ermöglicht nun, beide Interessen sinnvoll miteinander zu verbinden. Durch die präzisierte gesetzliche Grundlage können Gemeinden künftig auch in lärmbelasteten Gebieten Baubewilligungen erteilen – vorausgesetzt, die Lärmgrenzwerte werden eingehalten oder geeignete Lärmschutzmassnahmen, sind vorgesehen.

Das hört sich alles sehr zielführend an. Aber wann kommt denn nun die Wohnraumlüftung ins Spiel?
Thomas Klink: Wenn technische oder bauliche Massnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte nur mit unverhältnismässigem Aufwand verbunden wären, wird nun unter klar definierten Voraussetzungen dennoch eine Baubewilligung möglich. Und hier kommt die kontrollierte Wohnraumlüftung ins Spiel. Denn endlich wird nun offiziell anerkannt, was Fachleute schon lange wissen: Komfortlüftungsanlagen können in lärmbelasteten Lagen die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohner sicherstellen, ohne dass die Fenster geöffnet werden müssen. Damit wird die kontrollierte Wohnraumlüftung zu einem entscheidenden Bestandteil einer ganzheitlichen Lärmschutzstrategie für dichte, urbane Siedlungsstrukturen. Sie ist sozusagen auf dem Weg zu einer Schlüsseltechnologie im modernen Lärmschutz.

Und von welchem Neugeschäft-Potenzial für die Lüftungsindustrie sprechen wir hier?
Thomas Klink: Das Potenzial ist enorm. Allein in Zürich konnten gemäss einer aktuellen Schätzung in den letzten Jahren ungefähr 3’000 Wohnungen, die alle kurz vor der Baubewilligung standen, nicht realisiert werden. Es handelte sich dabei mehrheitlich um Wohnungen von Baugenossenschaften. Wie viele Neubauwohnungen bzw. lärmsanierte Wohnungen in der gesamten Schweiz in den letzten Jahren nicht realisiert werden konnten, lässt sich nur erahnen. Aber es dürften sicherlich um die 10’000 Wohnungen sein, die bei der aktuellen Wohnungsknappheit in der Stadt schmerzlich fehlen.

Die Revision der neuen Lärmschutzverordnung spricht auch von einer konsequenten Weiterentwicklung eines nachhaltigen und komfortablen Wohnens.
Thomas Klink: Und genau dieses Anforderungsprofil an die Leistungsfähigkeit moderner Gebäudetechnik erfüllt die Wohnraumlüftung in vorbildlicher Weise. Denn Lüftungsgeräte:
♦ führen Schadstoffe, Feuchtigkeit und Gerüche zuverlässig ab
♦ stellen einen konstant hohen Frischluftanteil sicher
♦ sorgen für eine effiziente Energieeinsparung insbesondere bei Einbindung eines Wärmetauschers
♦ vermeiden Lärm- und Feinstaubeintrag
♦ unterstützen eine stabile thermische Behaglichkeit

Und welche generelle Bedeutung hat die Einführung der revidierten Lärmschutzverordnung für die Zukunft des Bauens?
Thomas Klink: Mit der revidierten Lärmschutz-Verordnung setzt der Bundesrat ein starkes Zeichen: Für ein verdichtetes Bauen, das nicht zulasten der Gesundheit geht. Für moderne Lösungen, die sich an den tatsächlichen Gegebenheiten der Schweiz orientieren. Gerade vor dem Hintergrund der angespannten Wohnraumsituation in vielen Regionen eröffnen die neuen gesetzlichen Möglichkeiten einen echten Mehrwert – für Gemeinden, für Investoren und vor allem für die Bewohner. Das entspricht dem modernen Verständnis einer gesunden, sozial verträglichen Siedlungsentwicklung.

Wir als Vertreter der Branche sind bereit, diesen Weg aktiv mitzugestalten – mit innovativen Systemen, technischer Expertise und der Überzeugung, dass gesunde Raumluft ein Grundrecht ist.