Innovative Ansätze am ersten Holzenergie-Forum

Am Mittwoch, 14. Januar 2026, fand im Kulturzentrum Schützi in Olten das ganztägige, interaktive Holzenergieforum von Holzenergie Schweiz mit 190 Teilnehmenden statt.  Vertreter aus Gemeinden und Korporationen, Kantonen, Bund, Planung, Energie- und Baudienstleistung, Waldbewirtschaftung und Forstarbeit, Holzindustrie- und Holzenergiebranche sowie Betreiber von Wärmenetzen trafen sich mit Investoren, Portfoliomanagern, Beratern, Kaminfegern, Wissenschaftlern und Verbandsvertretern. Kompakte, fundierte Informationen und praxisnahe Erfahrungsberichte wurden präsentiert und diskutiert.

 

Im Zentrum der Veranstaltung standen drei Hauptthemen, die aktuell die Holzenergie-Branche und ihre Anspruchsgruppen besonders beschäftigen: die stoffliche Verwertung von Holzasche als integrierter Bestandteil der Kreislaufwirtschaft und zur Verbesserung der Ökobilanz durch die ganze Wertschöpfungskette, feinstaubarme professionelle Heizungsanlagen sowie die Mobilisierung von mehr lokalem Holz im Kontext der Wald- und Holzstrategie des Bundes.

Holzasche bietet viele Verwendungsmöglichkeiten
Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Holzasche vom Abfallprodukt zur Ressource wird – etwa durch Verwertungswege im Zement-/Klinkerbereich, in der Landwirtschaft und zur Bodenverbesserung im Wald oder dekarbonisierten Bodenstabilisierung im Waldwegbau. Es wurden Best-Practice-Beispiele z.B. von der Schweizer Firma Amstutz AG und aus dem nahen Ausland vorgestellt. So wird in Bayern Holzasche auf Waldböden versprüht, um mit Hilfe des relativ hohen Kalziumoxid-Anteils in der Asche der Versauerung des Bodens entgegenzuwirken. Ein wichtiger Aspekt ist, dass in Holzasche vorkommende giftige Element Chrom[VI], welches jedoch mit geringem Aufwand (Befeuchtung oder Reduktion durch Molke oder Frass nach den neuesten Erkenntnissen von Agroscope) in das unbedenkliche Chrom[III] umgewandelt werden kann. So behandelte Holzasche könnte – wie es z.B. Deutschland bereits heute gemacht wird – Kompost oder Gartenerde beigemischt bzw. in der Landwirtschaft als einheimischer, natürlicher mineralischer Dünger eingesetzt werden. Dafür gibt es in Deutschland zwei bereits anerkannte Gütesiegel. Interessant ist auch die Tatsache, dass allfällige Schwermetallgehalte von Asche aus naturbelassenem Holz in der Regel nicht vom verbrannten Holz stammen, sondern sich bei den hohen Verbrennungstemperaturen aus den Metallbestandteilen der Heizkessel bzw. Roste lösen. Dieser «hausgemachten Kontamination» könnte mit einer technischen Weiterentwicklung entgegengewirkt werden, indem z.B. in den Heizkesseln vermehrt Keramik anstatt Metallbestandteile (insbesondere Roste) zum Einsatz kämen.

Noch 2026 soll im Rahmen eines Versuchs des Bundesamts für Strasse zudem ein Anteil Holzasche als dekarbonisierter Kalziumoxid-Substitut erstmals dem Asphalt beigemischt und im Strassenbelag des Nationalstrassennetzes verbaut werden, um sowohl den Elastizitätsmodul zu erhöhen wie auch die Ökobilanz beim Strassenbau drastisch zu verbessern.

Eine weitere positive Eigenschaft von Holzasche ist, dass sich durch Zugabe dieser Asche zu Deponiegut das Volumen desselben um bis zu 20 Prozent reduzieren lässt, was auch für die Betreiber von Deponien sowohl wirtschaftlich wie auch ökologisch von grossem Interesse ist. Das Nachmittagsprogramm fokussierte auf die Bereiche Feinstaub sowie das revidierte Handbuch 2026 QM Holzheizwerke. Es wurden Methoden und Techniken vorgestellt, wie der Feinstaubanteil von Holzfeuerungen optimiert werden kann, auch beim privaten Gebrauch von Holzfeuerungen wie Cheminées und Schwedenöfen. Die Emissionen professioneller Holzheizwerke konnten in den letzten rund 30 Jahren deutlich reduziert werden – insbesondere dank strengeren Anforderungen der Luftreinhalte-Verordnung sowie technischer Weiterentwicklungen wie optimierter Verbrennung, besserer Regelung und Abgasreinigung durch Filter.

Komplexe Aufgabe: Mehr Rohholz aus den Schweizer Wäldern
Zudem wurde beleuchtet, wie es gelingen könnte, bis 2030 jährlich eine Million Kubikmeter mehr Rohholz aus den Schweizer Wäldern zu ernten, und dies wohlgemerkt mit einer immer noch nachhaltigen Waldnutzung. Dieses Vorhaben erweist sich als politisch komplex und braucht vor allem eines: simultane Überzeugungsarbeit an der Basis und an der Spitze. Auch die aktuell geltenden Förderprogramme für neue Holzheizungen wurden beleuchtet, diese laufen gemäss aktuellem 2030 aus, ohne dass bisher ein Nachfolgeprogramm bekannt ist. Den Abschluss des Anlasses bildete eine engagierte Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung und Stimmen aus der Branche, der Praxis und der Politik.

«Das erste Holzenergieforum brachte Fakten, Praxis und Dialog auf ideale Weise zusammen – und konnte die Branche mit Referenten aus den verschiedenen Themen auf den aktuellen Wissenstand bringen. Das historisch bedingte, teilweise schlechte Image von professionellen Holzfeuerungen ist aufgrund des heutigen Stands der Technik nicht mehr gerechtfertigt. Und Holzasche ist ein Rohstoff, der zukünftig im Sinne der Kreislaufwirtschaft wiederverwendet werden und nur noch in geringem Umfang in Deponien landen sollte. Dass der Anlass in der Branche auf sehr grosses Interesse stiess, zeigte sich an der Tatsache, dass die Schützi Olten bis auf den letzten Platz gefüllt war. Ähnlich war dies am Vortag in Lausanne mit 120 Teilnehmenden. Die Möglichkeiten des Austauschs zwischen verschiedenen Akteuren im informellen Teil der Veranstaltung wurde sehr geschätzt und zum Netzwerken genutzt. Die zukünftigen Herausforderungen der Holzenergie-Branche können nur durch Diskussionen, konkrete Partnerschaften und Lösungen sowie gemeinsame Projekte angegangen werden», sagt Laurent Audergon, Direktor von Holzenergie Schweiz, Holzfeuerungen Schweiz und proPellets.ch. Neunzehn Anspruchsgruppen der Wertschöpfungskette waren am ersten Forum vertreten. Es ist geplant, jedes Jahr ein Holzenergieforum Mitte Januar durchzuführen.

Daten für das Holzenergieforum 2027:
14.01.2027 in Olten
12.01.2027 in Fribourg

Holzenergie Schweiz

Als Dachverband der Schweizer Holzenergiebranche betreibt Holzenergie Schweiz einen Informations- und Beratungsdienst und setzt sich bei Behörden und Entscheidungsträgern für eine sinnvolle, umweltgerechte und effiziente Verwendung von Holz als Energieträger ein. Der Anteil von Holzenergie an der Gesamtenergienutzung ist auf 5,4 Prozent gestiegen. Bei der Wärmeerzeugung liegt dieser Anteil bei über 13,0 Prozent. Bisher wurden 50 Millionen Tonnen CO2-Emissionen aus fossilen Quellen vermieden.   www.holzenergie.ch