22. Oktober 2026
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    Round Table Gebäudetechnik 2026

    Markt, Vorgaben und Lösungen: Gebäudetechnik-Branche im Austausch

    Marco von Wyl ist Geschäftsleiter von GebäudeKlima Schweiz. Foto: Thomas Bürgisser
    Marco von Wyl, Geschäftsleiter von GebäudeKlima Schweiz, bei seiner Begrüssung. Foto: Thomas Bürgisser

    Über 110 Fachpersonen diskutierten beim diesjährigen Round Table Gebäudetechnik von GebäudeKlima Schweiz und der Schweizerischen Normen-Vereinigung über aktuelle Herausforderungen der Branche. Die Themen reichten dabei von neuen Normen und Vorgaben über die Qualitätssicherung bei Wärmepumpen bis hin zu erneuerbaren Brennstoffen und Energiemanagementsystemen.

     

    Rund 60’000 Wärmeerzeuger wurden in der Schweiz in den Jahren vor 2023 durchschnittlich pro Jahr verkauft. 2025 waren es rund 52’000, in den beiden Jahren zuvor noch weniger. «Nach schwierigen Jahren haben die Absatzzahlen 2025 zwar wieder leicht zugenommen und der Wärmepumpenmarkt hat sich gefangen. Das frühere Niveau ist aber noch nicht erreicht», erklärte Marco von Wyl von GebäudeKlima Schweiz (GKS) bei der Begrüssung zum Round Table Gebäudetechnik 2026. Der Branchenanlass wird alljährlich von GKS und der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) organisiert. Über 110 Fachpersonen waren am 23. September nach Aarau gekommen, um sich über Herausforderungen und Neuigkeiten der Branche auszutauschen. Dieses weiterhin unterdurchschnittliche Absatzniveau sei eine der Herausforderungen, sagte von Wyl. Denn diese Lücke zu erklären, sei schwierig. «Ein Teil sind sicherlich die Fernwärmenetze, die wir statistisch nicht erfassen. Aber auch Reparaturen von fossilen Heizungen und eine allgemeine Zurückhaltung bei Heizungssanierungen spielen eine Rolle», so der Geschäftsleiter des Schweizerischen Hersteller- und Lieferantenverbands der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Weil unklar sei, wie stark die einzelnen Faktoren ins Gewicht fallen, sei die Planung für die Branche aber anspruchsvoll. Als zusätzliches Hilfsmittel erhebt GKS deshalb seit 2026 bei seinen Mitgliedern auch Einschätzungen zur Entwicklung des Gesamtmarkts und stellt den daraus erstellten Forecast den teilnehmenden Unternehmen zur Verfügung.

    Neue Verordnungen und Qualitätssicherung
    Die Planbarkeit war auch bei weiteren Referaten am Round Table ein Thema. Bei ihrem alljährlichen Update aus der Schweizer und der europäischen Normung zeigte beispielsweise Barbara Guder von der SNV, auf welche neuen Anforderungen sich die Branche einstellen muss. Dazu gehören etwa mögliche PFAS-Beschränkungen in der EU, aber auch neue Anforderungen an Effizienz, Prüfverfahren und Reparierbarkeit von Raum- und Kombiheizgeräten sowie Warmwasserbereitern und -speichern. Zwar seien die entsprechenden Ökodesign- und Energieetiketten-Verordnungen der EU noch Entwürfe, Guder empfiehlt Herstellern aber, schon jetzt zu analysieren, inwiefern ihre Produkte betroffen sind, und sich vorzubereiten.

    Genau das hat GKS auch bei den neuen Regelungen zu Kältemitteln gemacht: Ab dem 1. Januar 2027 tritt die revidierte ChemRRV in Kraft. Damit gelten – mit einer sechsmonatigen Abverkaufsfrist für bestehende Lagerbestände – verschärfte Regeln für das Inverkehrbringen von Anlagen und Geräten mit in der Luft stabilen Kältemitteln. Loïc Schmidely vom BAFU ging am Round Table nochmals darauf ein und zeigte die Hilfsmittel, die die Branche bei der Umsetzung unterstützen sollen. Diese reichen von einer grafischen Zusammenfassung der Regelungen über ein Dokument zum Stand der Technik bis hin zu Merkblättern, an denen auch GKS in Vorbereitung auf die neuen Regeln mitgearbeitet hat. Auch bei den Recyclingvorgaben für elektrische und elektronische Geräte ist GKS bereits tätig geworden. Diese betreffen künftig auch die Gebäudetechnik stärker, was für die Branche erheblichen Mehraufwand bedeuten könnte. Deshalb arbeitet GKS zusammen mit SENS zurzeit an einer Branchenlösung, zu der Tobias Müller von SENS in Aarau einen ersten Einblick gab.

    Erst am Entstehen hingegen ist eine Arbeitsgruppe aus Kantonen, Branche und Forschung, die sich der Qualitätssicherung bei Wärmepumpen annehmen soll, wie Pierre Christe vom Bundesamt für Energie am Round Table aufzeigte. So habe das Parlament in der Frühlingssession 2026 das Gebäudeprogramm politisch zwar gerettet, aber mit klaren Auflagen zur Weiterentwicklung bezüglich höherer Wirkung, besserer Zielgenauigkeit und effizienterer Mittelverwendung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müsse die Qualitätssicherung bei Wärmepumpen weiterentwickelt werden, erläuterte Christe. Dabei wolle man auch die Erfahrungen der Branche miteinbeziehen, einerseits über Umfragen und Studien, andererseits in der Arbeitsgruppe, in der sich auch GKS einbringen wird.

    Auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel
    Die Förderung ist eines der Instrumente, um das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu erreichen. Das andere sind gesetzliche Vorgaben. Auf diese ging Olivier Brenner, stellvertretender Generalsekretär der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EnDK), in Aarau ein. Bei der Senkung der CO2-Emissionen im Gebäudebereich sei die Schweiz auf Kurs, trotzdem gebe es noch einiges zu tun. Als nicht verpflichtende Vorlage für den nächsten Schritt in der kantonalen Energiegesetzgebung hat die EnDK die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich 2025 erarbeitet, an denen sich die Kantone in ihren Gesetzgebungsprozessen orientieren können. In seinem Input zeigte Brenner die wesentlichen Änderungen gegenüber den MuKEn 2014 auf. Gleichzeitig gab er einen Überblick, wie weit die Kantone in der Umsetzung sind. Bei den Vorgaben zur erneuerbaren Wärme zum Beispiel reichen die Unterschiede von aktuell keinen Anforderungen im Kanton Solothurn bis hin zu bereits 100 Prozent erneuerbarer Wärme in mehreren Kantonen.

    Wie diese erneuerbare Wärmeversorgung auch bei älteren Gebäuden mit über 100 KW Wärmeleistung möglichst effizient erreicht werden kann, zeigte Stefan Jäschke von Envenion in seinem Inputreferat. Bei solchen Anlagen lohne sich eine genaue Planung besonders, da die Dimensionierung der Wärmepumpe einen deutlichen Einfluss auf die Investitionskosten habe. Eine Lösung könnte gemäss Jäschke ein bivalentes Heizsystem sein, bei dem die Grundlast zum Beispiel eine Wärmepumpe mit nur 60 Prozent der sonst benötigten Heizleistung übernimmt. Bereits rund 90 Prozent des Jahresenergiebedarfs würden so abgedeckt. Für die verbleibende Spitzenlast könnte eine Öl-/Gasheizung zum Einsatz kommen, allenfalls sogar mit erneuerbaren Brennstoffen. Auf ebensolche gingen Bernhard Wüest von Avenergy Suisse und Dominic Strübin von Biofuels Schweiz am Round Table ein und zeigten die Möglichkeiten von Hydrotreated Vegetable Oil (HVO) auf. Dieses kann fossiles Heizöl ersetzen und ist seit 2025 auch zolltechnisch für die Verwendung als Brennstoff freigegeben. Mittels Herkunftsnachweisen kann HVO zudem klimapolitischen Zielen angerechnet werden, wobei kantonal unterschiedliche Anforderungen bestehen.

    Das letzte Inputreferat beim Round Table Gebäudetechnik 2026 hielt Maike Schubert von SmartGridready. Sie zeigte auf, wie sich die Stromwelt verändert hat – und wie sie sich noch weiter verändern wird. Durch dezentrale Stromproduktion und neue Verbraucher wie Wärmepumpen und Elektroautos werden die unteren Netzebenen stärker gefordert. Neben dem Netzausbau gewinnen deshalb die Speicherung und die zeitliche Verschiebung des Stromverbrauchs an Bedeutung. Energiemanagementsysteme können helfen, diese Flexibilität zu nutzen. Voraussetzung dafür sind jedoch offene Schnittstellen und eine zuverlässige Integration der verschiedenen Komponenten. SmartGridready arbeitet deshalb an möglichst einheitlichen Lösungen für deren Kommunikation und Steuerung. Dafür brauche es aber auch die Unterstützung der Gebäudetechnik-Branche, so Schubert, etwa durch die Mitgestaltung von Spezifikationen und Tests oder ganz allgemein durch das Einbringen von Branchenwissen. Der abschliessende Apéro bot Gelegenheit, dieses und die weiteren Themen des Tages weiter zu vertiefen und gemeinsam in kleineren Kreisen Lösungsansätze zu diskutieren.

     

    GebäudeKlima Schweiz

    GebäudeKlima Schweiz ist der bedeutendste Schweizer Hersteller- und Lieferantenverband der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Die Mitglieder sind mehrheitlich Systemanbieter und unterhalten gesamtschweizerische Verkaufs- und Servicenetze. Als «Stimme der Gebäudetechnik-Industrie» bringt GebäudeKlima Schweiz die Meinung der Industrie zu aktuellen Themen in die politische Diskussion mit ein, verhandelt mit Behörden und Verbänden, engagiert sich für optimale Rahmenbedingungen für die Schweizer Gebäudetechnik-Industrie, übernimmt eine wichtige Rolle in der Aus- und Weiterbildung und wird durch den branchenübergreifenden Austausch unter den Mitgliedern zu einem wichtigen Innovations- und Kompetenzzentrum.    www.gebaeudeklima-schweiz.ch