Treibhausgasinventar 2024: Emissionen leicht gesunken

Treibhausgasemissionen des Sektors Gebäude, zusammengesetzt aus den Haushalten und den Dienstleistungen. Grafik: zvg
Treibhausgasemissionen des Sektors Gebäude, zusammengesetzt aus den Haushalten und den Dienstleistungen. Grafik: zvg

Die Schweiz hat ihren Treibhausgas-Ausstoss im Jahr 2024 um 27,3 Prozent gegenüber 1990 vermindert. Der Ausstoss belief sich auf 40,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, rund eine halbe Million Tonnen weniger als 2023. Dies geht aus dem jährlichen Treibhausgasinventar des Bundesamts für Umwelt (BAFU) hervor. Zusammen mit der Treibhausgasbilanz der Landnutzung lagen die Emissionen 22,3 Prozent unter denen von 1990. Zum ersten Mal werden im Treibhausgasinventar auch die Negativemissionen aus dem Industriesektor aufgenommen.

Das BAFU reicht Mitte April 2026 das Schweizer Treibhausgasinventar beim UNO-Klimasekretariat (UNFCCC) ein. Das Inventar liefert ein umfassendes Bild des Treibhausgas-Ausstosses der Schweiz, wie dies im Übereinkommen von Paris geregelt ist. 2024 lagen die Emissionen aus den Sektoren Gebäude, Industrie, Verkehr und Übrige (Landwirtschaft, synthetische Gase, Abfall) insgesamt 27,3 Prozent tiefer als 1990.

Gebäudesektor: Ausstoss 47 Prozent unter 1990
Der Treibhausgas-Ausstoss der Schweizer Gebäude betrug 2024 rund 8,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (CO2-eq). Er lag damit 47 Prozent unter dem Wert von 1990. Gegenüber dem Vorjahr sank der Ausstoss um 0,2 Millionen Tonnen. Ein wichtiger Grund für den Rückgang der Emissionen ist der deutliche Anstieg beim Einbau von Wärmepumpen in den letzten Jahren. Aktuell trägt der Sektor Gebäude 22 Prozent zum totalen Treibhausgas-Ausstoss bei.

Treibhausgasemissionen der Gebäude
Unter dem Sektor Gebäude werden die Emissionen aus den Haushalten (Wohngebäude) und den Dienstleistungen (Geschäftsgebäude) zusammengefasst.

Die Emissionen aus dem Sektor Gebäude – hauptsächlich in Form von Kohlendioxid (CO2) – entstehen in erster Linie beim Verbrauch fossiler Brennstoffe für Gebäudeheizung und Aufbereitung von Warmwasser in Wohn- und Geschäftsgebäuden. Die kurzfristige Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Gebäude ist geprägt durch Witterungseinflüsse, da kalte Winter durch erhöhten Heizenergiebedarf im Vergleich zu milden Wintern zu zusätzlichen Emissionen führen. Längerfristig weisen die Emissionen der Gebäude eine abnehmende Tendenz auf. Dies, obwohl die Energiebezugsflächen sowohl bei den Haushalten als auch bei den Dienstleistungen stetig zugenommen haben. Dank verbesserten Isolationsstandards bei Neu- und Umbauten, der energetischen Sanierung alter Häuser und dem vermehrten Ersatz von Heizöl durch Erdgas und nicht-fossile Energieträger (wie Wärmepumpen, Holz, etc.) für die Gebäudeheizungen nahm die Treibhausgasintensität der Gebäude markant ab. Doch der Grossteil der Gebäude in der Schweiz wird noch immer mit fossilem Heizöl oder Gas beheizt.

Industriesektor: Ausstoss 33 Prozent unter 1990
Der Industriesektor stiess 8,9 Millionen Tonnen CO2-eq aus, rund 33 Prozent weniger als 1990. Der Ausstoss sank gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Millionen Tonnen. Dies ist unter anderem auf einen leichten Rückgang der Zementproduktion zurückzuführen. Zudem berücksichtigt das Treibhausgasinventar zum ersten Mal Negativemissionen aus der Industrie. Dabei handelt es sich 2024 um 705 Tonnen CO2, die an Biogasanlagen abgeschieden und dauerhaft in Recyclingbeton gespeichert wurden. Gemäss der langfristigen Klimastrategie des Bundesrates ist der Ausbau von Negativemissionen nötig, um die Klimaziele der Schweiz zu erreichen. Aktuell beträgt der Anteil des Industriesektors am totalen Treibhausgas-Ausstoss 22,3 Prozent.

Verkehrssektor: Ausstoss 10 Prozent unter 1990
2024 betrug der Ausstoss aus dem Verkehrssektor rund 13,4 Millionen Tonnen CO2-eq und war damit gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Der Ausstoss des Verkehrs lag damit fast 10 Prozent unter dem Wert von 1990. Der leichte Rückgang ist vor allem auf eine gestiegene Nutzung von Biotreibstoffen zurückzuführen. Aktuell trägt der Sektor Verkehr 33,5 Prozent zum gesamten Treibhausgas-Ausstoss bei.

Übrige Emissionen: Landwirtschaft, synthetische Treibhausgase und Abfall
Der Ausstoss der Landwirtschaft ist gegenüber dem Vorjahr in etwa konstant geblieben und betrug 2024 6,6 Millionen Tonnen CO2-eq. Auch der Ausstoss synthetischer Treibhausgase, wie zum Beispiel Kältemittel, sowie die Emissionen aus der Abfallbewirtschaftung blieben gegenüber 2023 beinahe unverändert. Gesamthaft lagen die übrigen Emissionen 2024 mit 8,9 Millionen Tonnen 13 Prozent unter dem Wert von 1990.

Wie Methanemissionen im Treibhausgasinventar berücksichtigt werden

Die Klimawirkung von Treibhausgasemissionen hängt davon ab, wie stark sie die Wärme in der Atmosphäre zurückhalten (sog. Strahlungswirkung) und wie rasch sich das Treibhausgas in der Atmosphäre abbaut. Aufgrund der höheren Strahlungswirkung ist Methan im Vergleich zu CO2 ein viel stärkeres Treibhausgas. Methan wird aber in der Atmosphäre schneller wieder abgebaut als CO2, so dass die Klimawirkung innert weniger Jahrzehnte abklingt. Unter dem Pariser Übereinkommen muss im Treibhausgasinventar der Beitrag von Methan zum Treibhauseffekt gemittelt über den Zeitraum von 100 Jahren angegeben werden (sog. GWP100-Metrik). Diese Methode unterschätzt, wie stark sich Methan kurzfristig auf das Klima auswirkt, und überschätzt die langfristige Klimawirkung von Methan. Die Schweiz verwendet wie alle Länder unter dem Pariser Übereinkommen GWP100.