7. September 2026
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    Holzbau und Hitzetauglichkeit

    Das Stammhaus von Blumer Lehmann auf dem Erlenhof im Kanton St. Gallen. Foto: Jan Thoma/Blumer Lehmann
    Das Stammhaus von Blumer Lehmann auf dem Erlenhof im Kanton St. Gallen. Foto: Jan Thoma/Blumer Lehmann

    Nach der Pandemietauglichkeit steht jetzt aus aktuellem Anlass die Sommerhitzetauglichkeit von Architektur auf dem Prüfstand. Eine Veranstaltung von World-Architects und dem Beschattungsspezialist Griesser widmete sich dem Thema. Fazit: Es geht um die Kombination zahlreicher Massnahmen auf diversen Ebenen.  Text: Manuel Pestalozzi

    Die Veranstaltung im Architekturforum Zürich war auf den 3. September 2026 terminiert. Es stellte sich heraus, dass sie genau im rechten Moment stattfand: Die Schweiz erreichte gerade die Schwelle vom Hitze-Rekordsommer zu einen warmen Herbst. Der kleine Saal an der Zollstrasse war gut belegt. Die Glasfronten blieben offen, frieren musste sicher niemand.

    Im Zentrum stand eigentlich der Holzbau, dessen Hitzetauglichkeit mit einem besonders grossen Aufwand an planerischen und betrieblichen Massnahmen verbunden ist. Doch es war dem Publikum anzumerken, dass der Bedarf bestand, sich ganz generell zum Thema auszusprechen. In einem kurzen Referat präsentierte Architektin Johanna Deinet von K&L Architekten, St. Gallen, ihr neues Stammhaus des Holzbauers Blumer Lehmann, ein fünfgeschossiges Bürogebäude ausserhalb von Gossau (SG). Das Gebäude erhebt den Anspruch, einen möglichst kleinen ökologischen Fussabdruck zu hinterlassen und eine möglichst vorbildliche CO2-Buchhaltung zu führen. Den Hitzeschutz hob die Architektin in ihren Ausführungen besonders hervor und machte anschaulich, dass die Gedanken über ihn schon bei der Arealplanung und der Positionierung des Neubaus begannen. Zum Hitzeschutz gehört das Lüftungskonzept, das die Steuerung von Fensteröffnungen und ein gedecktes Atrium beinhaltet, sommerliches Freecooling über die Grundwasserpfählung des Bauwerks und die Wärmepumpe, die mit Lehm operierende Speicherkapazität, welche die Nachtauskühlung nutzt. Und natürlich der dynamische Sonnenschutz, bei dem sich Co-Gastgeber Griesser mit seinem Wissen und Können einbringen konnte: Das Gebäude besitzt auf drei Seiten eine umlaufende Balkonschicht, beschattet wird es hier über durchsichtige textile Storen, die ohne Führungen über den Balkonbrüstungen abgesenkt werden.

    Nachtkühlung ohne Wirkung
    Nun hat das Bauwerk seinen ersten Hitzesommer hinter sich. Wie Johanna Deinet erzählte, verlor die Nachtauskühlung während den anhaltenden hohen Temperaturen ihre Wirkung, während das Freecooling weiterhin funktionierte. Im obersten Geschoss habe die Aufenthaltsqualität gelitten. Man werde nun weitere Fensterflügel «motorisieren».

    Nach diesem Bericht fand eine Podiumsdiskussion statt. Es beteiligten sich eine Griesser-Fachperson, eine in der Forschung tätige Architektin und eine Architekturhistorikerin, die auch Kommunalpolitikerin ist. Damit wurde die Bewältigung der Hitzeperioden allgemein ins Zentrum gerückt. Einig war man sich darüber, dass die Branche vom unerwartet schnellen Anstieg der Sommertemperaturen etwas auf dem falschen Fuss erwischt wurde. Eben noch stand der Kälteschutz im Winter im Fokus, nun sieht man sich vor einer neuen, bisweilen dramatischen Situation. Man war sich einig, dass die Baunormen ihr noch ungenügend entsprechen und schnell nachgebessert werden sollen. Im Fokus stehen etwa die Fenstergrössen, die Wirkung der Übereck-Verglasung oder ein wirksamer Sonnenschutz auf der Nordseite. Lobend erwähnt wurde der Verein Minergie, der bereits jetzt Ratschläge für hitzetaugliche Architektur erteilt.

    Massnahmen für Hitzeschutz bekannt
    Insgesamt gewann man bei diesem Gespräch den Eindruck, dass die möglichen Massnahmen für einen tauglichen Hitzeschutz am Bau hinreichend bekannt sind, dass man ihre Wichtigkeit aber unterschätzt hat. Es bestand in der Runde und auch bei den Meldungen des Publikums, das sich engagiert der Diskussion beteiligte, der Drang, darauf hinzuweisen, dass der gesamte Städtebau in die Auseinandersetzung mit einbezogen werden muss. Die Begrünung, die Oberflächen und auch die bauliche Dichte leisten wichtige Beiträge gegen eine zu grosse Hitze. All dies muss mit einem Bestand erreicht werden, der eher kälte- als hitzeresistent ist. Weniger bis nicht erwähnt wurde das Verhalten der Menschen, die der Hitze ausgesetzt sind. Sie wurden, so hatte man das Gefühl, beinahe als «statische Grösse» betrachtet. Dabei sollten doch auch die Wach- und Schlafzeiten, die Chancen der Mobilität (im gut klimatisierten öV) oder der Weg zu gekühlten Gemeinschaftsräumen (und wieder aus ihnen heraus) in die Betrachtungen mit einbezogen werden. Vielleicht wird es Zeiten geben, in denen Kinder von 05 Uhr bis 14 Uhr in die Schule gehen und anschliessend eine Siesta machen müssen. Und das Verhalten der Menschen mag wieder «saisonaler» werden, als wir es uns gewohnt sind.

    Manuel Pestalozzi ist dipl. Arch. ETHZ und Journalist BR SFJ