11. August 2026
Mehr
    Home MARKT INTERNATIONAL Massgeschneidert

    Massgeschneidert

    Stahlkonstruktion mit Abspannpunkt. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie
    Stahlkonstruktion mit Abspannpunkt. Foto: Veit Landwehr Architekturfotografie

    Im Zuge von Sanierungs- und Erweiterungsmassnahmen wurde das Schiller-Gymnasium in Köln-Sülz um einen neuen Baukörper ergänzt. Eine offen gestaltete, dreigeschossige Stahlkonstruktion verbindet Alt- und Neubau. Diesen funktionalen Übergang verwandelt eine Hülle aus textilen Segeln in ein raumbildendes Element. Auf beiden Seiten filtern die von formTL geplanten Membranflächen Sonnenlicht, schützen vor Witterung und bewahren zugleich den Bezug zum Schulhof und zur Umgebung. Weich und fliessend überlagert die textile Hülle die technische Stahlstruktur und gibt dem Übergang eine eigenständige architektonische Präsenz.

    Das Konzept und die plastische Gestaltung der ineinandergreifenden Segel wurden vom Kölner Architekten Reinhard Angelis entwickelt. Realisiert wurde das Projekt in Arbeitsgemeinschaft mit Schilling Architekten, Köln, die die Bauleitung übernahmen. Vorgesehen war eine textile Lösung aus vorgespannten Segeln, die den Übergang nicht schliesst, sondern Licht, Luft und Ausblicke zulässt. Für Formfindung und statische Berechnung wurden die Ingenieure von formTL als Spezialisten für leichte Flächentragwerke und Membrankonstruktionen beauftragt. Ihre Aufgabe bestand darin, die architektonische Idee in eine tragfähige und präzise ausführbare Konstruktion zu übersetzen. Denn das homogene Erscheinungsbild der textilen Hülle beruht auf einer Vielzahl individuell gelöster Details: Da die Verbindungsbrücke nicht orthogonal zwischen den Gebäuden steht, verändern sich Winkel, Anschlussbedingungen und Geometrien von Segel zu Segel. Nahezu jedes Feld musste auf seine Position abgestimmt werden und zugleich Teil eines einheitlichen Gesamtbilds bleiben.

    Die Ostfassade. Foto: Montageservice LB GmbH
    Die Ostfassade. Foto: Montageservice LB GmbH

    Zwei Ebenen, ein Gesamtbild
    Besonders anspruchsvoll war die Ostseite: Hier überlagern sich die Segel ebenfalls in zwei Ebenen und formen im unteren Bereich ein Vordach zum Schulhof. Zugleich erzeugen zwei Materialien eine differenzierte Wirkung der Hülle: Ein durchlässiges PTFE-Mesh sorgt für Transparenz und Durchblicke, ein dichteres PTFE-beschichtetes Glasfasergewebe schützt stärker und streut das Licht weicher. Auf der Westseite unterstützt Meshgewebe die offene Erscheinung der Brücke.

    Konstruktiv mussten die getrennt berechneten Membranflächen so zusammengeführt werden, dass sie tragfähig funktionieren und zugleich als gestalterisch zusammenhängende Hülle lesbar bleiben. Die Membranen sind nicht flach gespannt, sondern mit einer Krümmung ausgebildet. Erst dadurch lassen sich äussere Lasten aufnehmen und sicher in die Stahlkonstruktion einleiten. An einzelnen Punkten werden Druckstäbe durch die Membran geführt und binden die obere Lage an die Stahlstruktur zurück.

    Abstimmung im 3D-Modell
    Die Umsetzung erforderte eine enge Abstimmung zwischen formTL, Architekten, Stahlbauer und Membrankonfektionär. Über 3D-Modelle wurden die Befestigungspunkte koordiniert und mit der Stahlkonstruktion abgeglichen. Die Kopfplatten für die Segelanschlüsse wurden bereits im Zuge der Stahlbauarbeiten an die Konstruktion geschweißt; Klemmleisten, Seile und Spannelemente bereitete der Konfektionär auf Grundlage der Werkstattplanung von formTL vor. Auf der Baustelle ließen sich die einzelnen Bauteile wie ein Baukastensystem montieren.

    Weiterbauen im Bestand
    Am Schiller-Gymnasium zeigt sich, welches Potenzial textile Konstruktionen gerade beim Bauen im Bestand entfalten können. Die Membranhülle macht den Übergang zwischen Alt- und Neubau räumlich erlebbar. So wird aus einem funktionalen Verbindungsgang ein eigenständiges architektonisches Element – leicht in der Erscheinung, präzise in der Konstruktion und ein fliessender Kontrapunkt zu den sachlich geprägten Schulbauten.

    Baudaten

    Projekt:                        Schiller-Gymnasium in Köln/D

    Bauherr:                      Stadt Köln/D

    Architekten:                ARGE Nikolausstrasse: Reinhard Angelis Planung Architektur Gestaltung

                                        (Planung) mit Schilling Architekten (Bauleitung), Köln/D

    Membrane:                 Koch Membranen GmbH, Rimsting/D

    Leistungen formTL:  Tragkwerksplanung, Genehmigungsplanung,

                                        Ausführungs- und Werkstattplanung, Membrane/Anschlusspunkte

    Stahlbau:                    Brinkmann Stahl- und Metallbau GmbH & Co. KG

    Montage:                    Montageservice LB GmbH

    Membranflächen:      Ost: ca. 230 m², West: ca. 180 m²

    Traufhöhe:                 ca. 14 m

    Material Verseidag:  GF-4500 PTFE-Type II, GFM 5000-21 PTFE Mesh

    Fertigstellung:          2026